Hier wird auf folgende Bücher von Erich Fromm hingewiesen:
1. Haben oder Sein
2. Vom Haben zum Sein
Auch hier gilt das Menschenbild, wie es auf der vorhergehenden Seite beschrieben wurde.
Es geht um die Kunst des Lebens
Diese Kunst ist schwer und es ist notwendig, an sich zu arbeiten.
Was bedeutet “Haben”?, was bedeutet “Sein” ?
Dies soll nachfolgend erläutert werden:
Und es herrscht der Erde Gott, das Geld.
Friedrich Schiller
Das einzige Problem, das der Kapitalismus hat,
sind die Kapitalisten: Sie sind einfach zu gierig.
Herbert Hoover, 31.amerk. Präsident (1929-1933)
Haben - Mentalität bedeutet: Ich will dies, ich will jenes.
Ich will haben. Es soll so sein und nicht anders.
Aus dem Ego und dem Kopf heraus ist man egoistisch und eigenwillig.
Geld macht nicht glücklich,
wenn man mehr als etwa 15000 Euro jährlich verdient.
Es geht ums Einverleiben, von z.B. Autos, Reisen, Sex, Fernsehen.
Besitzstreben, Erwerb, Profitstreben, Eigentum, Macht, Mentalität der Egozentrik, Selbstsucht, Gier, Eifersucht, Rivalität, Furcht, Habgier, Kampf, Illusionen, Haß und Neid.
Durch "Haben - Stimuli" sollen die innere Leere, Langweile, Einsamkeit überwunden werden.
Man braucht ständig mehr, man wird unersättlich. Haben bezieht sich auf Dinge, z.B. habe ich eine Frau und ich habe Kinder. Durch Gebrauch verringert sich das, was man hat.
"Wer bin ich, wenn ich bin, was ich habe und dann verliere, was ich habe?”
Sein - Mentalität bedeutet, wesensgemäß zu leben und zu spüren und zu fühlen, was ist.
Beim Fühlen und Spüren ist man “ganz” und “heil”. Die Persönlichkeit sorgt meistens dafür, dass man von dem Spüren, Fühlen, Erfahren getrennt ist z.B. durch Grübeln oder Hirnen (Grübeln).
Sein bezieht sich auf Erlebnisse. Autonom sein, Freude teilen, miteinander - und füreinander leben, geben, solidarisch sein, heiter sein, gelassen sein, zufrieden sein, dankbar sein, das So-Sein er-leben und genießen, statt zu besitzen.
Alle großen Lehrer der Menschheit empfehlen: Gier, Illusionen, Haß zu überwinden. Liebe und Mitgefühl sind Voraussetzungen zum Wohl-Sein.
Die Kräfte der Vernunft, der Liebe, des künstlerischen und intellektuellen Schaffens wachsen, wenn man sie ausübt.
"Wenn ich bin, wer ich bin und nicht, was ich habe, kann mich niemand berauben”.
Nach Erich Fromm geht es um die Fähigkeit, sich am SEIN zu erfreuen
anstatt am Tun, am Haben oder am Gebrauchen.
Viele Humanisten sind sich einig:
- daß die Produktion den Menschen und nicht den Erfordernissen der Wirtschaft zu dienen habe;
- daß ein neues Verhältnis zwischen Mensch und Natur auf Kooperation statt Ausbeutung beruhen müsse;
- daß das Gegeneinander durch Solidarität ersetzt werden muß;
- daß nicht maximaler Konsum, sondern vernünftiger Konsum erstrebenswert sei, der das menschliche Wohl fördert;
- daß der einzelne zu aktiver Mitwirkung am gesellschaftlichen Leben motiviert werden solle. Erich Fromm
Der Mensch im "Sein" kann wie folgt charakterisiert werden:
Natürlichkeit: natürlich sein, wesensgemäß sein statt normal sein.
Mitmenschlichkeit und Miteinander statt Egoismus und Gegeneinander.
Ganz sein, heil sein, d.h. mehr spüren und fühlen als grübeln und hirnen.
Liebevoll zu sich und anderen sein.
Genießen, was ich habe, statt haben wollen, was mir fehlt.
Wollen, was man hat.
Urvertrauen oder Gottvertrauen spüren, siehe auch Seite 3.
Seelenfrieden und innerer Frieden statt Streit, Gewalt und Krieg.
Sich freuen an kreativen Künsten wie z.B. singen, musizieren, malen, basteln statt Freizeitkonsum bei der Freizeitindustrie kaufen.(Weniger Ressourcenverbrauch und Emissionen).
Alles Übel auf der Welt hat nur eine Ursache: "Das gehört mir!" , Mello
Nutzen (z.B. car sharing) statt besitzen.
Immaterielle Werte schätzen statt materielle Werte besitzen.
Homo sapiens sein statt homo egoisticus sein.
Kennen Sie den? Zwei Planeten treffen sich im Weltall. Sagt der eine: ”Mir geht’s so schlecht!” Fragt der andere: “Was hast Du denn?” Antwortet der erste: “Ich leide am Homo sapiens!” “Ach”, meint der andere, “Das ist nicht so schlimm, das vergeht!”
Um in dem Abenteuer, genannt Spiritualität, Erfolg zu haben, muss man fest entschlossen seien, aus dem Leben so viel wie möglich herauszuholen. Viele Menschen begnügen sich mit Nichtigkeiten wie Reichtum, Ruhm, Bequemlichkeit und menschlicher Geselligkeit.
Mello
Wahrer Mensch sein
Liebe und Mitgefühl sind wesenhafte Eigenschaften der Menschen. Diese können allerdings durch das Ego und durch Egoismus überlagert sein.
Wie wichtig die Liebe ist, zeigen folgende Texte:
Pflicht ohne Liebe macht verdrießlich.
Verantwortung ohne Liebe macht rücksichtslos
Gerechtigkeit ohne Liebe macht hart
Wahrheit ohne Liebe mach kritisch
Erziehung ohne Liebe macht widerspenstig
Klugheit ohne Liebe macht gerissen
Freundlichkeit ohne Liebe macht heuchlerisch
Ordnung ohne Liebe macht kleinlich
Sachkenntnis ohne Liebe macht hochmütig
Besitz ohne Liebe macht geizig
Glaube ohne Liebe macht fanatisch
Aus den Upanischaden, Indien, ca 1000 v. Chr.
Es geht um ganzheitliches, also nicht-dualistisches Wissen aus unseren Bauch-, Herz- und Geist-Zentren (Intuition).
Liebe und dann tue, was Du willst
Ama et fac quod vis
Augustinus, 354 - 430 n. Chr.
Mit “ Liebe “ ist nicht gemeint: Liebe denken, denn: Was nützt Liebe in Gedanken?
Selbstfindung
Das zweite Buch von Erich Fromm: Vom Haben zum Sein:
Hier wird von Erich Fromm aufgezeigt, wie Jedermann an sich arbeiten kann, um die Ego-Eigenschaften, die man während der Erziehung gelernt hat, allmählich abzulegen und wieder wesensgemäß zu fühlen und zu spüren.
Fritz Riemann drückte das so aus:
Immer können wir versuchen, uns selbst treu zu bleiben, unsere Individualität zu bewahren, Abhängigkeiten zu vermeiden und durch Erkenntnis die Welt zu verstehen und furchtlos unser Eigensein zu leben.
Immer können wir versuchen, vom uns einengenden Ich freizukommen in mitmenschlicher Verbundenheit, in einfühlender Liebe und Selbstlosigkeit, in grenzüberschreitender, transzendierender Hingabe und Selbstaufgabe.
Immer können wir versuchen, das, was uns als wahr, gut und schön erscheint, als etwas ewig Gültiges anzuerkennen, für dessen Dauer wir uns einsetzen gegen kurzfristig wechselnde Einflüsse, die es erschüttern und zerstören wollen, können die Gesetze und Ordnungen, die wir als notwendig erkannt haben, fest vertreten.
Und immer können wir schließlich unsere Freiheit wollen, den immerwährenden Wandel des Lebens bejahen, im Gegensatz zur vorbeschriebenen »apollinischen« eine »dionysische« Haltung ein- nehmen, die das Leben in seiner ganzen Großartigkeit und Furchtbarkeit bejaht, und beide in der eigenen Seele wiederfindet.
Und immer können wir - gleichsam schizoid - aus Angst vor dem Ich-Verlust den nahen mitmenschlichen Kontakt vermeiden;
können wir - gleichsam depressiv - aus der Angst vor Trennung und Einsamkeit in Abhängigkeiten verbleiben;
immer können wir - gleichsam zwanghaft - aus der Angst vor Wandel und Vergänglichkeit am Gewohnten festhalten,
oder können wir schließlich - gleichsam hysterisch - der Willkür verfallen, um die Angst vor der Notwendigkeit und Endgültigkeit zu vermeiden.
Fritz Riemann: Grundformen der Angst
Dankbarkeit:
ist für uns, die wir im Wohlstand leben,
ein gutes Mittel gegen “noch mehr Haben-Wollen”.
Gegen Mißgunst und Neid ist die Dankbarkeit der Schlüssel zur Freude.
Wenn es irgend ein Lebensgefühl gibt, das von der Begehrlichkeit, vom Neid wegführt,
dann ist das die Dankbarkeit.
Dieser Schlüssel “Dankbarkeit” schließt die Tür auf
zur Freude am Leben, wie es ist, und nicht, wie es sein sollte.
Aber diese Dankbarkeit braucht Menschen, die sie leben.
Damit andere sich daran orientieren können.
Johannes Kuhn
“Meister, warum hat der Mensch nie, was er will?”
“Das ist einfach: Wollte er, was er hat, dann hätte er, was er will. Da er aber nie will, was er hat, hat er nie, was er will.”
Aldinger
Siehe auch den Text “Stille und Ruhe statt Hast und Hetzte. Bei sich sein statt außer sich zu sein.” im Anhang auf der Seite “Was kann ich selbst tun?”
Fazit:
Sieh und schmecke den Käse und nicht die Löcher !